Neurose

Eine Neurose ist eine psychische Störung, die dem Betroffenen – im Gegensatz zum Psychotiker – bewusst ist. Das Spektrum reicht von Angststörungen über Hypochondrie bis Zwangsstörungen. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Therapie von Neurosen.

Synonyme

neurotische Störung

Definition

Mann hat Putzdrang

Eine Neurose (neurotische Störung) ist eine psychische Verhaltensstörung längerer Dauer, die den Betroffenen oft stark belastet. Bei einer Neurose ist keine organische Ursache erkennbar. Abzugrenzen von einer Neurose ist die Psychose. Der Unterschied ist folgender: Dem Neurotiker ist seine Störung bewusst. Der Psychotiker hingegen nimmt die Realität gestört wahr – und ist sich dessen nicht bewusst.

Menschen mit einer neurotischen Störung haben oft erhebliche Stimmungsschwankungen, sind ängstlich, gehemmt und unsicher. Häufig akzeptiert die Umwelt das veränderte Verhalten Betroffener. Eine Therapie wird von den meisten Neurotikern deshalb auch erst dann angestrebt, wenn ein gewisser Leidensdruck besteht.

Neurose als Begriff umstritten

Die Bezeichnung Neurose ist wissenschaftlich umstritten. Vor allem in den USA wird er weitgehend gemieden. Besser geeignet sei die Bezeichnung „psychische Störung in rein deskriptivem Sinne". In der Praxis hat sich dieser sperrige Name jedoch nicht durchgesetzt. Viele Mediziner verwenden hierzulande weiter den Begriff Neurose als Sammelbegriff für verschiedene psychische Störungen. Darunter fallen beispielsweise Phobien, Angststörungen, Panikattacken oder diffuse Angstzustände. Auch Borderline-Störungen wurden in der Vergangenheit als eine Art Neurose bezeichnet. Zu den Neurosen zählen auch Zwangsstörungen, Hysterien, Hypochondrien sowie schizoide und paranoide Störungen.

Häufigkeit

Neurosen sind die am häufigsten gestellte Diagnose im Bereich psychischer Erkrankungen. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Neurosen treten bevorzugt zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr auf.

Symptome

Ob und wie eine Neurose auftritt, hängt oft vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab und ist individuell völlig verschieden. Die Krankheit kann in Phasen oder chronisch ablaufen, die Rückfallgefahr ist bisweilen sehr hoch. Im folgenden eine kurze Übersicht über häufige Symptome von Neurosen.

Symptome von Zwangsstörungen oder Zwängen

Betroffene werden gepeinigt durch Zwangsvorstellungen, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, die sich ständig aufdrängen. So haben Betroffene z. B. den Zwang, bestimmte Handlungen immer wieder auszuführen (Händewaschen, Zählen). Es gibt aber beispielsweise auch Denk-Zwänge: Dann kreist immer und immer wieder der gleiche Gedanke im Kopf – ohne dass eine Lösung gefunden wird. Häufig besteht zudem eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur (wie Perfektionismus, Neigung zu Kontrolle, ständige Absicherung oder Angst vor Neuem).

Essstörungen haben ebenfalls einen starken Zwangsanteil, gelten aber im medizinischen und psychologischen Sinne als eigenständige Krankheitsbilder im Bereich der Suchterkrankungen. Ausführliche Informationen zu Esstörungen finden Sie hier:

Symptome von Hysterien

Hysterien bzw. hysterische Reaktionen (beide Begrifflichkeiten sind veraltet) und werden heute als dissoziative Störung bzw. histrionische Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Im Vordergrund der histrionischen Persönlichkeit stehen Geltungsbedürfnis, Egozentrismus und ein Bedürfnis nach Anerkennung. Diese Eigenschaften können gekoppelt sein mit Bewegungs- und Gefühlsstörungen, Lähmungen, Schwäche oder sogar einem Ausfall der Sinnesorgane wie z. B. Blind- und Taubheit.

Symptome von Phobien

Phobiker haben eine krankhafte Furcht vor bestimmten Dingen oder Situationen. Dazu zählen etwa Angst vor anderen Menschen, vor Tunneln oder großen Räumen, vor Dunkelheit, Flugreisen, Insekten etc. Weitere Informationen über Angst und Angststörungen:

Symptome von weiteren Neuroseformen

  • Hypochondrie ist die unbegründete, ständige Befürchtung, krank zu sein oder zu werden bzw. unter bestimmten Krankheiten zu leiden. Ein bekannter und bekennender Hypochonder ist Harald Schmidt.
  • Schizoide Störungen sind durch eine übermäßige Vorliebe für Phantastereien gekennzeichnet. Betroffene sind oft Einzelgänger und in sich gekehrt. Sie können schwer Gefühle ausdrücken und kaum Freude zeigen. Nicht zu verwechseln sind schizoide Störungen mit Schizophrenie.
  • Menschen mit paranoiden Störungen sind besonders empfindlich gegenüber Zurückweisung, nachtragend, übertrieben misstrauisch und neigen dazu, neutrale und freundliche Handlungen anderer als feindlich, herabsetzend oder verächtlich zu erleben.
  • Bei Panikattacken verharren Menschen in der Regel einige Minuten in Alarmbereitschaft, oft ohne zu wissen, was die Panik oder Angst ausgelöst hat. Panikattacken zählen auch zu den Angststörungen.
  • Entfremdung (Depersonalisation): Betroffene haben das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein, alles um sich herum wird als sonderbar, unwirklich und fremd empfunden.

Neurosen bei Kindern

Auch Kinder und Jugendliche erkranken an Neurosen. Darunter versteht man ein auffälliges Verhalten dieser Kinder, das die soziale Einfügung stört. Häufig sind Essstörungen und Verdauungsstörungen, Stottern, Nägel kauen, Zerstörungslust, Geschwisterneid und übermäßiger Gehorsam. Aber auch nächtliches Bettnässen bzw. Einnässen und Einkoten am Tag gehören zu den Symptomen von Neurosen bei Kindern. Angststörungen von Kindern gehören mit bis zu 15 Prozent Erkrankungshäufigkeit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.

Ursachen

Die Ursachen von Neurosen sind mannigfaltig. Zum einen sind nicht verarbeitete Zustände (seelische Konflikte, seelische oder körperliche Traumata), die teils bis in die Kindheit zurückreichen, Auslöser von Neurosen. Zum anderen sind Neurosen die Folge sozial bedingter Einflüsse wie Problemen mit dem Lebenspartner oder Schwierigkeiten bzw. Konflikte im Beruf. Mediziner diskutieren ebenfalls über eine erblich bedingte Veranlagung für Neurosen.

Bei einer Neurose gibt es in der Regel mehrere Aspekte, die sich gegenseitig beeinflussen:

  • eigene charakterliche Besonderheiten, wie etwa scheu und gehemmt zu sein, introvertiert und gefühlverdrängend
  • schwierige Lebensphasen wie Pubertät oder Wechseljahre
  • ungünstige Einflüsse durch Menschen und Umwelt, oft verbunden mit mangelnder Zuneigung und Achtung oder Entmutigung
  • akute Belastungssituationen, häufig in Verbindung mit Versagung, d. h., dem Betroffenen wurde in der Vergangenheit etwas vorenthalten, was in der Gegenwart nicht ohne psychische Konsequenzen bleibt
  • Traumatisierungen seelischer und/oder körperlicher Natur, z. B. Gewalttätigkeit, Missbrauch, Unfälle, die als lebensbedrohlich und unentrinnbar erlebt wurden.

Untersuchung

Neurosen können, je nach Ausprägung, den Alltag stark einschränken und den Betroffenen zunehmend belasten. Wenden Sie sich bei neurotischen Verhaltensweisen deshalb vertrauensvoll an Ihren Arzt, besser noch an einen Psychologen oder Psychotherapeuten.

Gehen Sie zu einem dieser Experten, wenn

  • Sie sich von den Beschwerden in Ihrem Alltag stark eingeschränkt fühlen.
  • Ihre Stimmungsschwankungen, Ängste und andere Verunsicherungen chronisch und so stark werden, dass Sie sich überfordert und hilflos fühlen.
  • Selbstmordgedanken auftreten.
  • Ihre Lebensqualität und die Ihrer Mitmenschen langfristig beeinträchtigt wird.

Behandlung

Wurde die Diagnose einer Neurose gestellt, folgt in der Regel eine Drei-Säulen-Therapie. Dazu gehören psychotherapeutische Maßnahmen, medikamentöse Therapie und psychosensorische Verfahren. Bei schwerem Verlauf einer Neurose kann eine stationäre Behandlung in speziellen Kliniken sinnvoll sein.

Psychotherapie gegen Neurosen

Bei der Psychotherapie wird ein geschulter Psychotherapeut versuchen, dem Neurose-Patienten die nicht-bewussten, verdrängten oder nicht erkannten tieferen Ursachen seiner seelischen Probleme aufzudecken und vor Augen zu führen. Ist dies erfolgreich, kann der Erkrankte die belastenden Erfahrungen unter Anleitung des Experten verarbeiten. Als therapeutische Mittel können etwa Gespräche und Musik eingesetzt werden. Auch Rollenspiele oder Zeichnen und Modellieren helfen, den Betroffenen zu fördern und zu stützen.

Bei Ängsten beispielsweise sehr erfolgreich ist die Kognitive Verhaltenstherapie. Hier liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, Denkweisen und Verhaltensmuster zu überprüfen und dann zu ändern. Die so gemachten Erfahrungen können Neurosen wie Panikattacken heilen.

Medikamentöse Therapie

Medikamente können den Heilungsprozess bei Neurosen unterstützen. Zuvor sind jedoch psychotherapeutische Maßnahmen unabdingbar, anderenfalls werden die Symptome lediglich „zugedeckt". Wurde das zugrunde liegende Problem nicht gelöst, kehren die Symptome nach Absetzen des Medikamentes in der Regel wieder. Medikamente in der Neurosebehandlung sind vor allem Beruhigungsmittel und Antidepressiva.

Psychosensorische Verfahren

Als dritte Säule der Neurosebehandlung werden sogenannte psychosensorische Verfahren eingesetzt. Dazu gehören z. B. die Klopfakupressur (EFT) oder Augenbehandlungen (EMDR, OEI nach Bradshaw und Kollegen). Bei der EFT werden die Endpunkte von Hauptenergiebahnen (Meridiane) des Körpers durch Beklopfen mit den Fingern angeregt.

Die EMDR ist eine Augenbewegungs-Desensibilisierung und Neuordnung. Dabei konzentriert sich der Patient auf die belastende Erinnerung und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle. Gleichzeitig versetzt der Therapeut die Augen des Betroffenen mit langsamen Fingerbewegungen in eine rhythmische Aktion.

Unter den Anwendern gelten diese Techniken als sehr schnell wirksam und leicht in übliche Psychotherapieverfahren integrierbar. Der Betroffene kann die Techniken bei Bedarf auch selbst und zu Hause anwenden.

Selbsthilfe gegen Neurosen

Gehen Sie offensiv mit Ihrer Neurose um, verzagen Sie nicht. Haben Sie Mut und sprechen Sie mit Ihrem Partner oder guten Freunden über das, was Sie belastet. Das kann klärend und entspannend wirken. Versuchen Sie, akute belastende Faktoren auszuschalten und Freiräume zum Denken und Ausruhen zu gewinnen. Vielleicht lässt sich ein berufliches Projekt verschieben? Oder einige Urlaubstage sind möglich?

Lernen Sie Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Yoga. Auch Meditation kann helfen, zu sich selbst zu finden, Ruhe einkehren zu lassen und belastende Situationen in den Griff zu bekommen.

Johanniskraut hellt Stimmung auf

Johanniskrautpräparate hellen die Stimmung auf. Aber nur hoch dosierte Präparate erzeugen die gewünschte Wirkung. Mindestens 900 mg pro Tag gelten als Schwelle für den Wirkeintritt. Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt erst nach 2- bis 3-wöchiger regelmäßiger Einnahme ein. Bei der Einnahme anderer Medikamente ist auf die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit Johanniskrautpräparaten zu achten. Außerdem erhöht Johanniskraut die Empfindlichkeit der Haut für Sonnenlicht.

Vorbeugung

Um einer Neurose vorzubeugen, sollten Sie einige Verhaltensweisen beachten.

  • Steuern Sie bestimmten Symptomen rechtzeitig entgegen. Verdrängen Sie z.B. ungewöhnliche Ängste, Wünsche oder Triebe nicht. Besser ist es, sich damit bewusst zu befassen.
  • Führen Sie Ihr Leben nicht unter Dauerbelastung. Schaffen Sie Ausgleich durch Sport und motivierende geistige Aktivität, pflegen Sie Ihre Soziale, essen Sie gesund und halten Sie sich fit. Das macht stabil und gegenüber Belastungen „resilient", d. h. widerstandsfähig. So können Sie mit schwierigen Erfahrungen besser umgehen.
  • Üben Sie keinen übermäßigen Druck auf Ihre Kinder aus, etwa durch übertriebene Erwartungen an deren Leistungen, Reinlichkeit oder durch Strafandrohungen. Ermutigen Sie Ihre Kinder viel mehr, über Gefühle, Sorgen und Verletzungen zu sprechen. Seien Sie jederzeit ein vertrauensvoller Ansprechpartner.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019

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